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Rückblick 2. Liga 05/06

Erwartungen: “Nur nicht wieder bis zum Schluss zittern...”
Nach der Rückkehr aus den Niederungen der Regionalliga Süd im Jahr 2001 hatte der KSC seinen Fans vier Jahre lang Abstiegskampf pur zugemutet. Dreimal in Folge kam es am letzten Spieltag zum Abstiegsendspiel im Wildpark und der erneute Absturz wurde im letzten Moment vermieden. In der Vorsaison hatten die Blau-Weißen immerhin schon am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt bejubelt.

Für die Saison 05/06 gelobte man Besserung – es sollte endlich eine sorgenfreie Saison gespielt und die 50-Punktemarke geknackt werden. Da unter dem seit Januar 2005 amtierenden KSC-Trainer Ede Becker ein eindeutiger Aufwärtstrend zu verzeichnen war, schien dieses Ziel auch nicht völlig utopisch. Die Mannschaft der Vorsaison blieb weitgehend zusammen. Von den Leistungsträgern verabschiedete sich lediglich Ivan Saenko in Richtung Bundesliga. Dieses eingespielte Team wurde mit einigen Spielern der KSC-Amateure ergänzt. Externe Neuzugänge gab es lediglich zwei, Giovanni Federico kam von den Amateuren den 1.FC Köln und Jiri Kaufmann aus Hannover.

Die zahlreichen Fans des KSC blickten also vorsichtig optimistisch auf die neue Saison. Besonders fieberte man natürlich dem Auftritt in der Allianz-Arena entgegen. Zudem konnte man sich auf die badischen Duelle gegen den SC Freiburg freuen, die endlich wieder Derby-Atmosphäre versprachen, nachdem zuletzt sämtliche Zweitligisten in der näheren Umgebung von der Landkarte verschwunden waren.

Die Saison: “Auf der Achterbahn”
Nach einem holprigen Start mit 3 Punkten aus drei Spielen wähnte man sich schon fast wieder im üblichen Abstiegsstrudel. Doch danach folgte eine Serie mit sieben Spielen ohne Niederlage. Vor allem im heimischen Wildpark steigerten sich Spieler und Fans gegenseitig zu Höchstleistungen. Energie Cottbus war der erste Tabellenführer, der mit leeren Händen aus Baden heimkehrte, Aachen und Bochum sollte es später nicht besser ergehen.
Am 18. November stand der KSC endlich ganz oben, wenn auch nur für zwei Tage. Ein 3:1-Auswärtsieg in Offenbach brachte den Platz an der Sonne.

Spitzenspiel im Wildpark
Eine Woche später gab es im Wildpark erstmals seit Jahren wieder ein echtes Spitzenspiel. Der KSC hatte dabei die Chance, gegen die Münchner Löwen die Tabellenführung zurück zu erobern. Endlich strömten wieder die Massen in den Wildpark und 28.000 Zuschauer sorgten für Bundesliga-Atmosphäre. Da hatte wohl auch manch einer den Weg in den Wildpark gefunden, der schon lange nicht mehr da war oder sich in den letzten Jahren mit Grauen abgewendet hatte. Leider versäumte die Mannschaft vor großer Kulisse, Werbung in eigener Sache zu machen und unterlag mit 1:2.

Bis zur Winterpause gab es dann zwar noch einen Sieg gegen den Tabellenführer und späteren Aufsteiger aus Bochum, aber auch zwei Pleiten bei den Aufsteigern aus Braunschweig und Paderborn, die der Auftakt einer schwarzen Auswärtsserie waren.

In der fußballfreien Zeit sorgte die Nachricht vom sofortigen Wechsel von Ioannis Masmanidis nach Bielefeld für hitzige Diskussionen. “Masma” war in der Hinrunde einer der großen Leistungsträger, auf dem Platz für technische Kabinettstückchen zuständig und als Publikumsliebling nach Siegen per Megaphon der Taktgeber für diverse “Humbas” mit den Fans.
Auch die Entscheidung des KSC-Kapitäns Danny Schwarz, nach der Saison zum TSV 1860 zurückzukehren, stieß auf wenig Gegenliebe.

Mit gedämpften Aufstiegsambitionen ging es also in die Rückrunde. Doch bereits am zweiten Rückrundenspieltag wurde die Hoffnung neu entfacht. Für den Tabellenführer aus Aachen gab es im Wildpark nichts zu holen. Dieser entwickelte sich mehr und mehr zu einer Festung.
Nach einem 5:2-Sieg gegen Aue stand das Gründungsmitglied der Bundesliga endlich auf einem Aufstiegsplatz - ein völlig neues Gefühl nach Jahren des Existenzkampfes.
Zum Derby gegen Freiburg am darauffolgenden Spieltag fanden die Tickets reißenden Absatz. Vor 28.000 Zuschauern, darunter auch etliche aus Südbaden, reichte es allerdings wiederum nur zu einem 1:1. Schade, erneut kein Sieg vor vollen Rängen.

Trotz Auswärtsschwäche schaffte es der KSC, im Dunstkreis der Aufstiegsplätze zu bleiben. Sicherlich wurde dies auch dadurch begünstigt, dass die Konkurrenz ebenfalls Schwächen zeigte.

Traumatische Erinnerungen
Am 27. Spieltag stand die weiteste Auswärtsfahrt der Saison an. Im Gästeblock des Rostocker Ostseestadions waren immerhin rund 200 KSC-Fans anwesend, die von zahlreichen Fans der befreundeten Berliner Hertha unterstützt wurden. Der Rostocker Ultra-Block befand sich auf der gleichen Seite und in der ersten Halbzeit wurden einige Unfreundlichkeiten ausgetauscht, da sich auf dem Spielfeld nichts Atemberaubendes tat.

Zu Beginn der zweiten Hälfte hatten die Rostocker eine spezielle Choreo für uns parat: “9.5.98”, “4:2”, eine Tabelle mit dem KSC auf Abstiegsplatz 16 und ein Spruchband “Es war schon schön, eure Väter leiden zu sehen” - äußerst provokant!
Unwillkürlich erinnere ich mich an meinen letzten Trip nach Rostock vor acht Jahren, ein Tiefpunkt der Vereinsgeschichte und meines Fan-Daseins, der bis dato letzte Auftritt in der Bundesliga. Bevor die traumatische Erinnerung bei mir Brechreize auslösen, widme ich mich da doch lieber wieder der Gegenwart. Die ist in Halbzeit zwei nicht viel besser, das Spiel geht mit 0:2 verloren.

Last-Minute-Ekstase: Teil 1
Das Spitzenspiel gegen Fürth vor 20.000 Fans wäre wohl nicht der Rede wert, ohne die 90. Minute, als ein Treffer von Kaufmann den nicht mehr für möglich gehaltenen hochverdienten 2:1-Sieg sicherte. Der ekstatische Jubel war bis dato der emotionale Höhepunkt der Saison. Dass die ehrwürdige Gegengerade nicht zum Einsturz gebracht wurde, grenzt an ein Wunder. Das Lied vom “Blau-Weißen Licht” war fortan in aller Munde und noch lange nach Abpfiff wurde gejubelt.

Heimspiel in München
Der lang ersehnte Auswärtsauftritt im “UFO” von Fröttmaning sorgte für eine Völkerwanderung entlang der A8. An die 20.000 KSCler fanden sich in der Arena ein. Badenerlied und ohrenbetäubende “Karlsruuuhe”-Wechselgesänge zwischen Unterrang und Oberrängen ließen Wildparkfeeling aufkommen. Unsere Jungs auf dem Platz waren davon wohl so beeindruckt, dass sie schon nach 20 Minuten 0:2 im Rückstand lagen. Der KSC reihte sich somit in das erlesene Grüppchen der Clubs ein, die es geschafft hatten, bei den heimschwachen Löwen zu verlieren.

Valencia-Revival
In einer Kölner Kneipe hatten einige KSC-Fans jede Menge Spaß bei der 2. Liga Konferenzschaltung mit dem Spiel KSC-Braunschweig. Ganz im Gegensatz zu einem entnervten Eintracht-Fan, der jedes Gegentor mit lauten Fluchen begleitete. Damit war der gute Mann ziemlich ausgelastet, denn am Ende stand es 7:0. Ich bekomme einen Flashback der angenehmen Art – im November 93 war es, als der spanische Tabellenführer FC Valencia im UEFA-Cup mit 7:0 vom Platz gefegt wurde, ein Kultergebnis für den KSC, “eviva españa”!

Last-Minute-Ekstase: Teil 2
Im letzten Auswärtsspiel der Saison hatten 1.500 mitreisende Fans noch Hoffnung, erstmals in diesem Jahr einen Dreier in der Fremde zu sehen. Dies war auch das erklärte Ziel, denn nur so konnte man die kleine Aufstiegschance in den letzten Spieltag retten. In einem dramatischen Spiel verwandelte sich der Gästeblock nach dem 3:2-Siegtreffer in der Nachspielzeit in ein Tollhaus. Noch eine halbe Stunde nach Abpfiff war Party angesagt, “Auswärtssieg für Karlsruh'!”, Jubel, Trubel, Heiserkeit.

Finale!
Am letzten Spieltag gegen Paderborn war der KSC zwar auf jede Menge Gunst des Fußballgottes angewiesen, doch die Minimalchance sorgte schon für riesige Euphorie. Der Wildpark war mit 32.306 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllt und die Schwarzmarktpreise waren nicht mehr feierlich.
Vor dem Spiel gab es eine Choreo in der Singing Area - “Geile Spieler - geile Saison – danke Jungs!” - die einzelnen Spieler wurden dabei auf Doppelhaltern dargestellt.
Die Stimmung war erstligatauglich mit La Ola, Wechselgesang und passendem Aufstiegswetter.
Der Siedepunkt wurde erreicht, als der KSC in Halbzeit eins tatsächlich für 22 Minuten in der ersten Liga war. Überall sah man Fans mit Radio aufspringen und wild herumhüpfen.
Bald allerdings hatte das Radio keine guten Neuigkeiten mehr zu vermelden. Der direkte Konkurrent schien den Aufstieg aus eigener Kraft klarzumachen. Unsere Mannschaft versiebte zahlreiche Chancen und kassierte letzlich sogar noch eine Heimniederlage. Die Enttäuschung hielt sich jedoch in Grenzen, da sich im Laufe der zweiten Halbzeit abgezeichnet hatte, dass es zum großen Wunder nicht reichen würde.
Nach Abpfiff gab es das schon gewohnte Szenario beim letzten Spieltag. Die Fans kletterten über die Zäune und stürmten den Platz, das Tornetz und Teile des Rasens endeten als Souvenir. Die Mannschaft und der scheidende Publikumsliebling Sean Dundee wurden trotz des verpassten Aufstiegs gefeiert, hatte doch vor der Saison niemand mit einem solch positiven Abschneiden gerechnet.

Blick in die Zukunft: Gestiegene Erwartungen
Der Verein hat in der abgelaufenen Saison viele Sympathien gesammelt, der Zuschauerschnitt in der Festung Wildpark konnte auf über 17.000 gesteigert werden.
Die junge KSC-Truppe besteht zu einem erheblichen Teil aus Spielern, die schon in KSC-Nachwuchsteams gespielt haben. Die Identifikation der Spieler mit dem Club, aber auch der Fans mit der Mannschaft, ist entsprechend groß.
Nach acht Jahren Unterklassigkeit mit einem beispiellosen Absturz vom UEFA-Cup in die Regionalliga ist das Umfeld heiß auf die Bundesliga.
Die Erwartungen für die neue Saison sind hoch, der Erfolg sollte keine Eintagsfliege gewesen sein.

Wenn es gelingt, die Heimstärke beizubehalten und auswärts nur ansatzweise so bissig aufzutreten wie im Wildpark, darf auch in der neuen Runde Träumen erlaubt sein...
Bis zum Schluss spielte der KSC um den Aufstieg mit.

KSC-Paderborn
Saisonfinale gegen Paderborn im Wildpark

Bochum-KSC
Jubel über den Last-Minute-Sieg in Bochum

1860-KSC
Badische Invasion in der Allianz-Arena bei 1860 München

KSC-Freiburg
Badisches Derby gegen den SC Freiburg

KSC-Cottbus
Sieg im Spitzenspiel gegen Energie Cottbus

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