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Spielberichte 2. Liga 99/00
34. Spieltag: KSC - Stuttgarter Kickers 1:1

26.05.2000, Karlsruhe, Wildparkstadion

Zu einem unvergeßlichen Erlebnis sollte die KSC-Abschiedsvorstellung in der zweiten Liga werden. Spektakulär verabschiedeten die Fans ihren Klub mit einem Trauermarsch durch die Stadt und anschließender Auferstehungsfeier im Stadion.
Den Gegner nahm man dabei gleich mit in die Abgründe der Drittklassigkeit...

In Karlsruhe angekommen, führte uns unser Weg zunächst in die Fankneipe Titanic. Da es im Badischen doch überraschend warm war, setzten wir uns zunächst gemütlich in den Biergarten, wo wir auch bald auf ein paar andere Fanclubmitglieder trafen. Die zahlreich anwesenden KSC-Fans waren dem Anlaß entsprechend überwiegend dunkel gekleidet, schließlich sollte im Vorfeld der Begegnung der Verein symbolisch "zu Grabe getragen" werden.
Der "Trauermarsch" sollte etwa um Viertel nach sechs beginnen. Im Hinterzimmer wurde bereits ein Sarg in eine blau-weiße Fahne gewickelt und mit einem Blumengebinde und Schleife mit der Aufschrift "In ewiger Treue" versehen.
Als wir dann in Richtung Ausgang gingen, traute man seinen Augen kaum: mehrere Hundert KSC-Anhänger hatten sich auf der Kronenstraße vor der Titanic versammelt, auf der Kronenstraße gabe es kein Vor und kein Zurück mehr. Unter den Fans waren auch einige Anhänger der befreundeten Hertha, die extra aus Berlin angereist waren, und ein Banner mit der Aufschrift "Gute Freunde grüßen den KSC" trugen.

Wie ein Demonstrationszug, eskortiert von Polizei, setzte sich die Fangemeinde dann langsam in Bewegung. Hinter den blau-weißen Sarg und einem Holzkreuz mit der Inschrift "Karlsruher SC, * 1894 + 2000, Ruhe in Frieden" trugen die KSCler ein meterlanges schwarzes Banner, auf dem "In tiefer Trauer" zu lesen war. Unter Trommelschlägen und Gesängen wie "So lange die Sterne noch Stehen" oder "You'll never walk alone" ging es zunächst die Kaiserstraße, die Haupteinkaufsstraße Karlsruhes, entlang. Die Straßenbahnen mußten wie der Querverkehr ersteinmal warten und die Insassen konnten sich staunend das doch etwas seltsam anmutende Spektakel betrachten. Weiter ging es den gesperrten Adenauerring entlang in Richtung Wildpark, wo man erst zwanzig Minuten nach Spielbeginn eintraf. Inzwischen führten die Gäste aus Degerloch, die von etwa 2.000-3.000 Fans begleitet wurden, bereits mit 1:0 durch ein Elfmetertor. Insgesamt konnten im Wildpark zum Abschluß noch einmal über 10.000 Fans begrüßt werden.

Für die verbleibenden Minuten der ersten Halbzeit blieben die KSC-Fanblöcke D1 und die "Singing Area" allerdings leer, und es wurde lediglich der Sarg mit Kerzen in D1 neben einem riesigen Kreuz plaziert.
Als man schließlich genug getrauert hatte, wurde in der Halbzeit der Fanbereich wieder bevölkert und eine gigantische Auferstehungsfeier zelebriert. Mangels Kartenkontrolle war der normalerweise nur für rund 200 Fans zugängliche L-Block proppenvoll und der Funke sprang sofort über. 45 Minuten wurde nur gesungen, abgefeiert, und wild gehüpft. Hochkonjunktur hatte dabei die "Auch in Liga 3"-Version des Schlagers "Tränen lügen nicht", doch auch weniger melancholische Songs kamen nicht zu kurz - alles in allem eine riesige Party. Etwa in der 60. Minute erzielte Moudachirou Amadou, der zu Hannover 96 geht, noch sein Abschiedstor zum 1:1-Ausgleich. Dieser Treffer wurde natürlich frenetisch bejubelt und zur Feier des Tages gab es auch noch ein bengalisches Feuer, das den ganzen Block in rotes Licht tauchte - bei Heimspielen ist so etwas auch schon lange nicht mehr vorgekommen.

Ansonsten waren gegen Ende der 90 Minuten vermehrt St. Pauli-Rufe wahrzunehmen. Die Kiez-Kicker lagen im Abstiegsfernduell mit 0:1 gegen Oberhausen zurück und brauchten noch ein Tor, um sich selbst zu retten und die Kickers in die Drittklassigkeit zu schicken.
Der Großteil der KSC-Fans wollte auf ein badisch-schwäbisches Derby in der Regionalliga nicht verzichten und hatte wohl auch keine Lust, dem zahlreichen Kickers-Anhang beim Feiern zuzusehen.
Als nach neunzig Minuten für den KSC der Abpfiff im Profi-Fußball ertönte, wußte noch niemand, was dieses Remis letzlich bringen sollte.
Doch die Endergebnisse ließen noch auf sich warten - zunächst sorgte Frank Sinatra über Stadionlautsprecher mit "I did it my way" für Wehmut unter den KSC-Fans. Optisch untermalt mit Bildern aus besseren KSC-Zeiten zwischen Bundesliga-Jubel und UEFA-Cup-Euphorie, trieb dies doch einigen der zuvor so euphorischen Fans ein paar Abschiedstränen in die Augen.... "I've seen the final curtain".

Dann war es endlich soweit, und die Endergebnisse aus den anderen Stadien wurden verkündet. Das 1:1 des FC St. Pauli in letzter Minute löste Jubel bei den Karlsruhern und Entsetzen bei den Stuttgartern aus. "Und ihr kommt mit in Liga 3!" hallte es durch's weite Rund... noch ein attraktiver Gegner mehr im nächsten Jahr, auch wenn man sich damit selbst weitere Konkurrenz verschafft.
Ein paar der KSC-Spieler kamen schließlich noch in Richtung ihrer Fans, verschwanden aber nach kurzem Winken recht schnell wieder. Ein schwaches Bild der Mannschaft, das aber irgendwie ins Gesamtbild dieser Saison paßt.
Dann sagten wir dem geliebten Wildpark erstmal auf Wiedersehen und es ging mal wieder ins Titanic. Dort klang der Tag noch stimmungsvoll aus und es wurde kräftig auf den Tischen getanzt und gesungen.

Fazit: Von Fanseite aus hätte dieser Abschied nicht besser inszeniert werden können. Wenn man nur einen Bruchteil dieser Begeisterung in die neue Saison mitnehmen kann, werden wir sicher noch viel Spaß haben...

"... es ist wohl besser, jetzt zu gehn,
wir können keine Tränen sehn,
schönen Gruß und auf Wiedersehn!"
(Die Toten Hosen)


Siehe auch:
> 2. Liga 99/00 > 34. Spieltag: KSC - Stuttgarter Kickers 1:1
34. Spieltag: KSC - Stuttgarter Kickers 1:1
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